Rost ist geil

Von Stephan Trescher / Do. Billig

Die formalen Vorgaben dieses Projektes kann man sicher gleich mehreren Todsünden zuordnen, aber die des Geizes erfüllen sie allemal: Ein enges, hölzernes Häuschen mit Türe, das auf einen einachsigen PKW-Anhänger montiert ist. Den Künstler Dietmar Schmale hat das nicht verdrossen, er hat die Vorgaben derart virtuos unterlaufen und umgedeutet, dass ihm ein kleines großes Kunstwerk geglückt ist. Zunächst einmal erfüllt er die thematische Vorgabe – und geizt mit dem Material: Der Künstler macht nicht sich selbst, wohl aber sein Werk so klein, dass es von weitem den Anschein hat, sein Anhänger sei als einziger der sieben leer geblieben. Erst beim Nähertreten, sobald man seinen Blick über den Rand des Hängers werfen kann, erkennt man eine skulpturale Miniatur eben jenes Ensembles von Holzhütte auf Karren, die der Ursprung des ganzen Unterfangens war, nur eben in einem Format, als sei das Ganze zu heiß gewaschen worden (korrekt gesprochen: im Maßstab 1:28). Darüber hinaus geizt Schmale mit seinem handwerlich-künslerischen Einsatz. Anders als sonst hat der Künstler hier kaum selbst Hand angelegt. Jedoch ganz ohne dem Laster der Faulheit zu verfallen, denn nicht nur hat er ein überaus kluges Konzept ersonnen, sondern auch selbst in Eigenarbeit ein Modell gefertigt. Das allerdings wurde dann, sehr zeitgemäß, von einem 3-D-Drucker in seine vorläufig endgültige Form gebracht. Vorläufig deshalb, weil aus dem Drucker eine Edelstahlreplik des Holz-und-Plastik-Original-Entwurfs kam. Die wiederum, dann nun doch von Künstlerhand, mit einer künstlichen Patina überzogen wurde, so dass es dann nur noch ein wenig natürlicher Oxidation bedurfte, um ganz und gar rostig daherzukommen – solcherart eine Altehrwürdigkeit behauptend, die dem 3-D-Druck in geradezu paradoxer Manier gegenübersteht. Und ansonsten natürlich Schwergewichte auf dem skulpturalen Sektor in Erinnerung ruft, die sonst monumentale eiserne Gebilde in die Gegend wuchten. Wenn wir schon die Kunstgeschichte streifen, dann dürfen wir aber nicht unerwähnt lassen, dass auch das kluge Einbeziehen der Bodenplatte in das Miniaturskulptur- Ensemble von entscheidender Bedeutung ist: Indem diese ebenfalls mit der künstlichen Rostpatina überzogen wurde, verschmelzen Grund und Figur, horizontale Fläche und mehr oder minder vertikale Skulptur zu einer Einheit, wie das schon Giacomettis einsame Läufer über agoraphobisch weite Plätze taten. Schmale wäre jedoch nicht Schmale, wenn er die falsche Patina mit falschem Pathos verw

(An dieser Stelle bricht der Text leider ab, weil just an diesem Punkt jene finanzielle Schmerzgrenze erreicht war, über die hinaus der Autor seine künstlerische und finanzielle Selbstausbeutung nicht treiben wollte.)


DIETMAR SCHMALE (DO. BILLIG)

lebt und arbeitet vielerorts

wurde geboren an einem bestimmten Platz zu einem festgestellten Zeitpunkt

studierte transnational an Kunstakademien

wird vermutlich sterben

bis auf weiteres auf youtube und wikipedia zu finden